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Spannungsfelder im Bankgespräch

Creditreform Unternehmermagazin

Creditreform Magazin, 07.06.2011


Warum es das sprichwörtliche „Weiter so“ bei Bank-Kunde-Gesprächen immer seltener geben dürfte.

Bereits der Beginn des letzten Kreditgesprächs, das Berthold A. als Inhaber seines mittelständischen Betriebes regelmäßig mit dem Ansprechpartner seiner Hausbank führt, ließ ihn spüren: Irgendetwas stimmte nicht. Zum ersten Mal seit vielen Jahren war nämlich ein weiterer Bankmitarbeiter anwesend – und das gänzlich ohne Vorankündigung. Wie sich herausstellte, war dieser Mitarbeiter aus dem „Kreditmanagement“ der Bank, das sich „schwerpunktmäßig um Fragen der Kreditwürdigkeit“ des jeweiligen Firmenkunden kümmert. Unmittelbaren Kundenkontakt habe er dagegen „so gut wie gar nicht“, räumte der Neuling ein. Während sich sein Kollege nun auch eher zurückhielt, steuerte der A. bisher unbekannte Mitarbeiter weitgehend das Gespräch.

Und kam auch gleich zur Sache: Offensichtlich wurde A. zunächst verübelt, dass dieser seinem Steuerberater in der Vergangenheit untersagt hatte, auf Anrufe der Bank zu aktuellen Fragen seiner wirtschaftlichen Situation sofort zu reagieren – und stattdessen ihn als Mandanten zunächst einmal von diesen Anrufen in Kenntnis zu setzen. Bereits seit geraumer Zeit wird A. von seiner Bank gebeten, diesem, wie das Kreditinstitut es nennt, „kurzen Informationsweg“ zuzustimmen, um „keine wertvolle Zeit zu verlieren“. A. war und ist dagegen der Meinung, dass relevante Fragen, die seinen Betrieb betreffen, zunächst mit ihm selbst zu klären seien.
 

Kontoüberziehung geduldet

Außerdem gibt es bankseitig offenbar Irritationen darüber, dass der pro Quartal erstellte Finanzstatus seines Betriebes grundsätzlich erst rund einen Monat nach dem jeweiligen Stichtag zum Quartalsende erstellt und der Bank zur Verfügung gestellt wird.

Darüber hinaus – auch dieser Punkt wurde in der Vergangenheit von seiner Bank zumindest sporadisch angesprochen – war A. bisher eher zögerlich, wenn es um weitergehende Informationen etwa über betriebliche Strategien ging. So gibt es nach wie vor kein professionelles Controlling-System, obwohl dieser Punkt im Rahmen des betrieblichen Ratings eine wichtige Rolle spielt und dies A. ebenfalls bereits mehrer Male mitgeteilt wurde. Hinzu kommt das „Dispositionsverhalten“ von A., der es in den zurückliegenden Jahren für mehr oder weniger selbstverständlich hielt, sein Geschäftskonto zumindest vorübergehend auch über das Kreditlimit hinaus zu überziehen. Die Bank hat dies in der Vergangenheit zwar immer geduldet und entsprechende Überweisungsaufträge und Abbuchungen zugelassen, ein weiteres „Fortschreiben dieser unerfreulichen Situation“ soll es nun allerdings nicht mehr geben. Selbst auf Umschuldungsvorschläge, die in diesem Zusammenhang von der Bank „immer wieder“ angeboten wurden, reagierte A. nach Aussage seines Gesprächspartners nicht ein einziges Mal.
 

Wahrnehmungsunterschiede

A. sieht die Situation aus seiner Sicht dagegen völlig anders. So macht er beispielsweise deutlich, dass „ohne Zustimmung der Bank weder Überweisungsaufträge ausgeführt noch Lastschriften eingelöst“ worden wären. Außerdem ist er davon überzeugt, dass die angeführten Problembereiche keinesfalls die Bedeutung haben, die ihnen von der Bank beigemessen werden.

Hinzu kommt aus seiner Sicht, dass es so gut wie keinen Schriftverkehr gibt, der auch nur auf einen dieser Punkte Bezug nimmt. Das einzige Schreiben, an das sich M. erinnern kann, beinhaltet lediglich die Bitte seines Kreditgebers, den jeweiligen Finanzstatus kurzfristiger zu übergeben. Aber auch hier erfolgte bisher weder eine schriftliche Mahnung noch ein mündlicher oder telefonischer Hinweis mit der Bitte um Erledigung.

Die Gelegenheit zu eigener Kritik an seinen Gesprächspartnern nutzte A. darüber hinaus, um auf die angeblichen Versäumnisse der Bank bei der Vermittlung der Bestandteile seines betrieblichen Ratings hinzuweisen. Natürlich war ihm nicht entgangen, dass die Bankenbranche vor dem Hintergrund der sich ändernden Eigenkapitalvorschriften („Basel III“) wohl auch Änderungen in den internen Kreditvergaberichtlinien vornehmen werden. Dies wird nach Meinung von A. unmittelbar zu einer zunehmenden Bedeutung seines Ratings führen. Hier besteht nach der festen Überzeugung von A. ein „erheblicher Nachholbedarf an Aufklärung seitens des Kreditinstitutes“.

Zumindest mit diesem Hinweis schien A. einen sprichwörtlich „wunden Punkt“ seiner Gesprächspartner getroffen zu haben. Diese machten nämlich nach dieser ausführlichen Kritik sofort deutlich, dass sie „ausdrücklich auf eine auch zukünftig partnerschaftliche Geschäftsverbindung Wert legen“ und dass die angesprochenen Punkte von A. durchaus „diskutabel seien“. Weiterhin „sei es selbstverständlich, dass auch die Bank zukünftig ihren Teil zu einer Verbesserung der Kommunikation beitragen müsse“. Beide Seiten geloben Besserung für die Zukunft.
 

Autor: Michael Vetter

 

Checkliste: Die Kommunikation mit der Bank optimieren


Vor allem vor dem Hintergrund von „Basel III“ sollten Betriebsverantwortliche darüber nachdenken, wie sich vor allem die Finanzkommunikation mit ihren Hausbanken wechselseitig verbessern lässt. Dazu kann etwa die zeitnahe Übermittlung wirtschaftlicher Daten (betriebswirtschaftliche und bilanzielle Auswertungen, Liquiditäts- und Rentabilitätsrechnungen, Steuerunterlagen) ebenso gehören wie Informationen über strategische Planungen.

Zu einer solchen Kommunikation gehört auch die rechtzeitige Information der Bank durch den Unternehmer, etwa über kurzzeitige Liquiditätsprobleme und die damit einhergehende Bitte um vorübergehende Erhöhung des betrieblichen Überziehungskredites.

Darüber hinaus sollte der Kreditgeber informiert werden, wenn Umsätze, Gewinne oder andere betriebswirtschaftlich wichtige Zahlen von den ursprünglichen Planungen abweichen.

Gemeinsam mit dem jeweiligen Kundenberater der Bank sollte darüber hinaus festgelegt werden, in welchen Abständen auf Orientierungsgespräche Wert gelegt wird, in denen vor allem Punkte behandelt werden, die mit der wirtschaftlichen Seite des Betriebes zu tun haben.



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