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Interne Störungen

Creditreform Unternehmermagazin

Creditreform Magazin, 10.12.2010


Warum regelmäßige finanzielle Bestandsaufnahmen als Teil der Unternehmenssteuerung unbedingt dazu gehören.

Gefährliche Finanzierungsstrukturen, unzureichende Altersabsicherung, ungeordnete Versicherungsverträge, zu wenig bankseitige Unterstützung bei der Datenverarbeitung, etwa durch Electronic-Banking-Produkte – das Ergebnis seiner betrieblichen Finanzanalyse durch einen externen Berater könnte für Matthias D. kaum niederschmetternder sein. Als ihm sein Steuerberater zu einer solchen Prüfung geraten hatte, war D. zunächst alles andere als überzeugt von deren Notwendigkeit. Mittlerweile hat sich der Inhaber eines mittelständischen Betriebs jedoch vom Gegenteil überzeugen lassen. Die nun vorliegenden, deutlichen Mängel zeigen ihm zumindest auf, in welchen Bereichen er gegensteuern muss.
 

Ernstes Finanzierungsproblem

Vor allem die Finanzierungsproblematik hat den Unternehmer überrascht: Relativ lang laufende Darlehensverträge, mit denen betriebliche Investitionen finanziert werden, orientieren sich zumindest zum Teil nicht an der üblichen und meist kürzeren Nutzungsdauer dieser Investitionsgüter. Daraus resultiert für D., dass er sich nach wie vor laufenden Zins- und Tilgungsverpflichtungen gegenüber sieht, obwohl es die damit finanzierte Betriebsausstattung bereits nicht mehr gibt. Da die entsprechenden Ersatzinvestitionen ebenfalls finanziert werden mussten, zahlt D. die Kreditraten nun also mehrfach.

Obwohl er sowohl von seiner Bank als auch von seinem Steuerberater mehrmals darauf hingewiesen wurde, sah er bisher keine Veranlassung, daran etwas zu ändern. Auf Grund der Liquiditätslage des Betriebes war dies, so argumentierte D. regelmäßig, „eben nicht erforderlich“. Alarmierend sind nun aber die durch die Prüfung deutlich gewordenen Folgen, die bei später wieder steigenden Darlehenszinsen und dem zunehmenden Wettbewerb geschuldeten größeren Investitionsbedarf mittelfristig „erhebliche Liquiditätsprobleme“ erwarten lassen. D. weiß natürlich, dass auf das derzeit nach wie vor niedrige Zinsniveau mittelfristig naturgemäß keinerlei Verlass ist.
 

Späteres Absicherungsdefizit

Bedenklich ist darüber hinaus die erwähnte Finanzlücke in der Altersabsicherung:. Wie selbstverständlich ging D. während der vergangenen Jahre von einem monatlichen Betrag aus, den er in rund zwölf Jahren – dem Zeitpunkt seines angestrebten Abschieds vom Unternehmen – zu bekommen erwartet. Dieser Beitrag soll mit Hilfe mehrerer Anlageformen erreicht werden. Dazu zählen neben seiner betrieblichen Altersvorsorge ein Investmentfonds und eine Rentenversicherung. Bei der Analyse wurde allerdings klar erkannt, dass die bisher erfolgte Vermögensbildung diesem Ziel nicht gerecht zu werden scheint. Sowohl die Wertentwicklung des Investmentfonds als auch die bisherige Entwicklung der Rentenversicherung liegen unter den ursprünglichen Zielvorgaben. Hier besteht also weiterer Handlungsbedarf. Der Unternehmensberater kommt konkret zu dem Ergebnis, den spekulativen Anteil zu reduzieren und Anlageformen mit entsprechender Sicherheit zu bevorzugen. Dies würde allerdings bedeuten, dass sich die Rendite bei der derzeitigen Zinssituation mehr oder weniger um etwa ein bis zwei Prozent pro Jahr bewegen würde. Dies wäre eben der Preis einer sicheren Geldanlage. Aus heutiger Sicht sollte D. also davon ausgehen, dass er bei seiner Altersabsicherung finanzielle Abstriche hinnehmen muss.

Handlungsbedarf  besteht für D. auch sowohl bei den betrieblichen als auch bei den privaten Versicherungsverträgen, die er während der vergangenen Jahre abgeschlossen hat. Offenbar hat er dabei aber regelmäßig versäumt, den jeweiligen Versicherungsschutz zu aktualisieren. Dies wird vor allem bei den Betriebsversicherungen deutlich, bei denen – so das Fazit des Beraters – „dringender Überarbeitungsbedarf“ vor allem beim Versicherungsumfang und bei den Prämien besteht.

Zum ebenso kritisierten Punkt der verbesserungsfähigen Unterstützung bei der Datenverarbeitung ist D. bereits aktiv geworden: Er hat jede der drei Banken, mit denen er zusammenarbeitet, um eine Präsentation all jener Electronic-Banking-Programme gebeten, die zur Verbesserung seiner Liquidität und Rentabilität beitragen können.

Darüber hinaus hat D. mittlerweile begonnen, auch die anderen aufgezeigten Defizite abzuarbeiten. Darüber hinaus hat er sich dazu entschlossen, sein betriebliches Controlling im Hinblick auf diese Defizite zu verbessern. Ab sofort finden dazu unter anderem zwei Mal im Jahr gemeinsam mit dem Unternehmensberater und seinem Steuerberater Orientierungsgespräche statt, die sich mit sämtlichen relevanten Sachverhalten befassen werden. Wird dabei ein Verbesserungsbedarf festgestellt, erfolgt, sofern möglich, eine kurzfristige Umsetzung der aufgezeigten Möglichkeiten.
 

Fristenkongruente Finanzierung

Die Gefahr bei einer Verletzung der wichtigen Finanzierungsregel der Fristenkongruenz, bei der die Laufzeiten von Darlehen und betrieblicher Nutzungsdauer der finanzierten Investitionsgüter grundsätzlich zumindest weitgehend übereinstimmen sollten, besteht in einem möglichen Liquiditätsproblem: So können einerseits die nach wie vor fälligen Kreditraten für nicht mehr genutzte Betriebsmittel und andererseits die neuen Kreditraten für die erforderlichen Reinvestitionen die betrieblichen Finanzen stark, im Ergebnis vielleicht zu stark belasten. Hier sollten, nach sorgfältiger Abstimmung mit dem Steuerberater, kurzfristig Gespräche mit dem jeweiligen Kreditgeber über mögliche Umschuldungen geführt werden.
 

Autor: Michael Vetter



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